FACHARZT FÜR CHIRURGIE, GEFÄSSCHIRURGIE UND VISCERALCHIRURGIE
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Einengung durch Arteriosklerose

Schlüsselbeinschlagader (arteria subclavia)

Die Schlusselbeinschlagader (arteria subclavia) entspringt auf der linken Seite dem Aortenbogen und auf der rechten Seite dem truncus brachiocephalicus und führt das Blut vom Herzen zum Arm. Eine Durchblutungsstörung im Bereich der Subklavia kann nicht nur zum Kältegefühl der Hände oder zu Schmerzen der Hände sondern je nach Lokalisation der Engstelle auch zu Gleichgewichtstörungen und Sturz führen.

Einengung von außen (Thoracic Outlet Syndrome TOS)

Was ist die Arteriosklerose?

Arteriosklerose ist eine Erkrankung die im unterschiedlichen Ausmaß alle Arterien (Schlagadern) des Menschen betreffen kann. Hierbei sammeln sich Ablagerungen von Fett, Bindegewebe, Kalk und Blutgerinnsel in den Arterien an und verursachen zuerst eine Gefäßeinengung und später einen Verschluss. Je nach der Lokalisation der Schlagadern verursacht die Arteriosklerose unterschiedliche Beschwerden. Zum Beispiel in den Herzarterien (koronare Herzkrankheit) führt sie zuerst zu Schmerzen hinter dem Brustkorb (angina pectoris) und später zum Herzinfarkt. In den Halsschlagadern kann eine hochgradige Arteriosklerose zum Schlaganfall führen. Diese gefährliche Verengung der Arterien verursacht in den Becken- und Beinarterien die arterielle Verschlusskrankheit. Je nach Ausprägung dieser Krankheit treten Schmerzen in den Beinen beim Gehen (Schaufensterkrankheit), Ruheschmerzen oder schlecht heilende Wunden an den Füßen auf. Die Arteriosklerose der Schlüsselbeinschlagadern (genannt auch Schultergürtelarterien) kann sich durch schnelle Müdigkeit des Armes, Kälteüberempfindlichkeit oder durch das Anzapfphänomen (subclavian- steal- syndrom) äußern.
 

Was ist das Subclavian-Steal-Syndrom?

Das Subclavian-Steal-Syndrom (Vertebralisanzapfphänomen) bezeichnet einen Strömungsumkehr im Bereich des Gehirnes aufgrund einer Einengung der arteria subclavia (Schultergürtelarterie). Im Normalzustand fließt das Blut aus dem Herzen ohne Umwege über die Hauptschlagader und Arteria subclavia in die Armarterien. Beim Vorhandensein einer hochgradigen Arteriosklerose mit Einengung oder Verschluss am Abgang der A. subclavia und Betätigung des Armes, kann das Blut auf dem direkten Weg nicht ausreichend in den Arm fließen und der Arm „klaut“ sich das Blut vom Gehirn auf dem Umweg über die arteria vertebralis (Wirbelschlagader). Dies kann zum Schwindel, Gangunsicherheit und Ohnmacht führen. Meistens ist von diesem Gefäß- Syndrom die linke Seite betroffen.
 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Eine hochgradige Einengung der Arteria subclavia erkennt man an dem Blutdruckunterschied zwischen der rechten und der linken Seite (vorausgesetzt dass die Gegenseite nicht eingeengt ist). Ein Unterschied über 30 mm Hg im systolischen am Arm gemessenen Blutdruck wird als signifikant bezeichnet. Weiterhin können die zuvor genannten Symptome klinische Hinweise auf eine mögliche Einengung der a. subclavia geben. Ein vermindeter Blutfluss an der Schüsselbeinschlagader lässt sich durch die farbkodierte Duplexsonographie (Farb- Duplex) nachweisen. Ebenfalls ist der Nachweis durch die Komputertomographie (CT) möglich.
 

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Zur Therapie der Arteriosklerose stehen dem Arzt eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung. Thrombozytenfunktionshemmer (z.B. Acetylsalicylsäure, Clopidogrel) werden vor allem eingesetzt, um das Risiko ernster Komplikationen wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder akuter Gefäßverschluss zu verhindern. Des Weiteren hat sich die Therapie mit blutfettsenkenden Medikamenten als nützlich erwiesen. Durchblutungsfördernde Substanzen verbessern vor allem die Fließeigenschaften des Blutes und wirken auch gefäßerweiternd. In den fortgeschrittenen Stadien der Verschlusskrankheit, haben sich Prostaglandine wie Alprostadil und lloprost ebenso gut bewährt.

Sollte ein ausgeprägtes Subclavian- Steal- Syndrom durch hochgradige Einengung oder Verschluss der Schlüsselbeinschlagader schon bestehen ist dann eine interventionelle oder operative Therapie erforderlich. Während einer Gefäßuntersuchung mit Kontrastmittel (DSA- Digitale- Substraktion- Angiographie) kann eine Aufdehnung (PTA- Perkutane Transluminelle Angioplastie) der Engstelle oder Metallgitter (Stent)- Anlage stattfinden.
In manchen Fällen sind diese Maßnahmen nicht möglich somit kommt nur eine Operation infrage. Hierbei wird entweder die Arteria Subclavia auf die Halsschlagader versetzt oder es wird eine Umleitung (Prothesen- Bypass) zwischen der Halsschlagader und der Schlüsselbeinschlagader hergestellt. Auch der langfristige Erfolg einer Ballondilatation oder Bypassoperation hängt wesentlich davon ab, wie konsequent Sie gegen Ihre Risikofaktoren vorgehen. Wie lange ein Gefäß offen bleibt, wird weitgehend vom Fortschreiten der Arteriosklerose bestimmt!

Autor: Dr. Andreas Franczak