FACHARZT FÜR CHIRURGIE, GEFÄSSCHIRURGIE UND VISCERALCHIRURGIE
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Verwachsungsbeschwerden

Wann machen Narben krank?

Jeder operativer Eingriff in der Bauchhöhle, mit Durchtrennung des Bauchfells, kann zur Ausbildung von Verwachsungen zwischen den Bauchorganen, dem Bauchnetz (omentum) oder dem Bauchfell führen. Das Bauchfell ist die innerste Schicht der Bauchdecken (peritoneum parietale) und bekleidet ebenfalls viele der Bauchorgane (peritoneum ventrale). Nach 90% der offenen Bauchoperationen entstehen solche Verwachsungen (Adhäsionen) die meist unbemerkt verbleiben, jedoch manchmal zu Bauchbeschwerden, Unfruchtbarkeit, Einklemmung des Darmes mit Darmverschluss bis zur Bauchfellentzündung (peritonitis) führen . Die Verwachsungen sind in etwa 70% der Fälle für den Dünndarmverschluss verantwortlich. Bis zu 40% der weiblicher Unfruchtbarkeit sind auf Adhäsionen zurückzuführen. Diese Verwachsungen erschweren ebenfalls die Operationen in der Schlüssellochtechnik, so dass in dieser Technik begonnene Eingriffe oft in der offenen Technik beendet werden müssen.

Wie entstehen Verwachsungen?

Die Adhäsionen können angeboren sein, aber meistens sind sie Folge von Verletzungen des Bauchfells im Rahmen eines chirurgischen oder gynäkologischen Eingriffs. Verwachsungen können auch nach Entzündungen oder im Folge einer Endometriose entstehen. Der Entstehungsvorgang entspricht einer Wundheilung. Der Körper bildet einen Gewebskleber (Fibrin) zur Ausheilung des Bauchfelldefektes. Falls sich die daraus gebildeten Verklebungen innerhalb von ein paar Tagen nicht auflösen, entstehen Verwachsungen. Es wurde nachgewiesen, dass durch das laparoskopische (Knopfloch) operieren, die Häufigkeit von Verwachsungsbildung im Vergleich zum offenen operieren herabgesetzt werden,  allerdings nicht ausgeschlossen. Die Verwachsungen können sich flächenhaft oder als Narbenstränge (Briden) ausbilden.

Wie werden die Adhäsionen festgestellt? 

Die durch Verwachsungen ausgelösten Bauchbeschwerden sind oft unspezifisch. Um sonstige Ursachen auszuschließen empfiehlt sich die Durchführung von Untersuchungen wie: Ultraschall der Bauchorgane, Dickdarmspiegelung und Computertomographie (CT). Manchmal geben diese Untersuchungen schon Hinweise auf Verwachsungen.  Letztendlich wird die Verdachtsdiagnose aber erst durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) bestätigt.  Der von Verwachsungen ausgelösten, Darmverschluss (Ileus) lässt sich schon durch eine klinische Untersuchung und eine einfache Röntgen Aufnahme des Bauches feststellen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Verwachsungen die keine Beschwerden verursachen, bedürfen keine Therapie, diejenige die Symptome verursachen können nur durch eine Operation- Adhäsiolyse, Bridenlösung angegangen werden. Diese Operation führt man vorzugsweise in der Knopflochtechnik (minimal invasiv) durch, allerdings können sich danach erneute Verwachsungen ausbilden. Um dies vorzubeugen wurden verschiedene Maßnahmen wie z.B. Instillationen von Icodextrin Lösung oder der Annaht von PTFE Netzen durchgeführt. Seit kurzem besteht die Möglichkeit eine PGE (Polyethylen Glykol) Lösung in der Sprühform flächenhaft auf die Stellen anzubringen, wo die Verwachsungen abgelöst wurden. Da die Adhäsionen sich in den ersten 5 Tagen nach der Operation ausbilden aber die PGE Substanz erst nach 7 Tagen aufgelöst wird, kann damit eine effektive Vorbeugung erreicht werden.

Autor: Dr. Andreas Franczak

Presseberichte

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