FACHARZT FÜR CHIRURGIE, GEFÄSSCHIRURGIE UND VISCERALCHIRURGIE
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Hämorrhoiden

Was sind die Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden, genannt auch noduli haemorrhoidalis , sind Gefäßpolster die ringförmig  sich unter der Schleimhaut am Übergang zwischen dem Enddarm und dem After befinden. Diese Gefäßpolster helfen bei der Regulierung des Afterverschlusses (Feinkontinenz). Das corpus cavernosum recti (auch plexus hämorrhoidlais internus genannt) wird von der arteria rectalis superior versorgt. Der venöse Abfluss geschieht über die Venen, die durch den Schließmuskel verlaufen. Beim Betätigen der Bauchpresse kommt es zur verstärkten Blutfüllung der Hämorrhoiden. Wenn sich die Hämorrhoidalknoten vergrößern spricht man vom Hämorrhoidalleiden.

Etwa die Hälfte  der über Fünfzigjährigen leiden unter dieser Erkrankung. Eine ähnliche Erkrankung ist die Perianalthrombose (genannt auch äußere Hämorrhoiden). Hierbei entstehen Blutgerinnsel in den Venen der Analhaut. Die Behandlung ist meist konservativ.

Wodurch entstehen und wie äußern sich die Hämorrhoiden?

Eine eindeutige Ursache ist nicht bekannt. Es werden Faktoren angeschuldigt die einen erhöhten Druck im Bauch und Blutabflussbehinderung vom Schließmuskel bewirken. Eine Rolle spielen: vermehrtes Pressen beim Stuhlgang (Verstopfung), Schwangerschaft, faserarme Kost und genetische Veranlagung (Bindegewebsschwäche).

Typische Beschwerden sind Schmerzen, Juckreiz, Hautausschlag (Ekzem) und Blut auf dem Stuhl (Hämatochezie). Im fortgeschrittenen Stadium treten Störungen der Fähigkeit Darmgase und Stuhl sicher zu halten (Kontinenzstörungen) auf.

Welche Stadien bestehen?

Nach Miles werden 4 Stadien der Ausprägung unterschieden:

Stadium 1: Der Plexus ist vergrößert, die Hämorrhoiden sind nur durch Proktoskopie (Enddarmspiegelung) oder Anoskopie sichtbar. Dieses Stadium ist reversibel.

Stadium 2: Beim Pressen fallen die Knoten in den Analkanal vor, ziehen sich aber später von selbst zurück.

Stadium 3: Die Knoten ziehen sich nach dem Ende des Pressaktion nicht spontan zurück, aber können mechanisch reponiert (in den Analkanal eingeschoben) werden.

Stadium 4: Eine Reposition der Knoten ist nicht mehr möglich. Dieses Stadium entspricht dem Analprolaps (Vorfall des Afters).

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Falls keine Beschwerden bestehen, müssen die Hämorrhoiden nicht unbedingt behandelt werden. Beim zunehmenden Stadium besteht aber eine zunehmende Komplikationsgefahr.

Die Basistherapie besteht aus Stuhlregulierung, ausreichender Ballaststoffe und Flüssigkeitszufuhr sowie falls nötig aus medikamentöser Therapie. Hier gehören Abführmittel, lokale Salben oder Zäpfchen sowie Venotonika wie mikronisierende Flavanoide. Zu den interventionellen bzw. operativen Verfahren gehören:

– Sklerosierung (Verödung): Hierbei wird Verödungsmittel (Aethoxyskleror 3% oder Phenolmandelöl) in den Knoten eingespritzt. Es besteht ein hohes Rezidivrisiko (Wahrscheinlichkeit für erneutes Auftreten).

– Gummibandligatur (Gummiligatur nach Barron). Der Knoten wird durch ein darübergestülptes Gummiband abgeklemmt und fällt in den folgenden Tagen ab. Auch hier ist die Rezidivquote hoch.

– Operation nach Milligan- Morgan: Hierbei werden die Knoten spindelförmig herausgeschnitten und der Defekt wird offen gelassen

– Operation nach Fergusson: ähnlich wie Milligan- Morgan , aber hier wird der Defekt vernäht.

– Operation nach Parks: die Schleimhaut wird angehoben und die Gefäßkonvolute werden entfernt.

– Stapler Hämorrhoidektomie nach Longo: Hierbei wird ein Ring aus Schleimhaut mit den zu den Hämorrhoiden führenden Arterien entfernt.

– HAL- RAR ( Hämorrhoidal Arterien Ligatur mit Rekto Analer Raffung), auch Anallifting genannt : Hierbei wird kein Gewebe entfernt, sondern es werden die zuführende Arterien mit Ultraschall lokalisiert und abgebunden. Zusätzlich werden die vorgefallenen Knoten mit Nahtschlingen in den Analkanal wieder fixiert.

Die Entscheidung über die Behandlungsmethode sollte individuell je nach Stadium und Wünschen des Patienten getroffen werden.

Autor: Dr. Andreas Franczak