FACHARZT FÜR CHIRURGIE, GEFÄSSCHIRURGIE UND VISCERALCHIRURGIE
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Leistenbruch, Schenkelbruch

Was ist ein Bauchwandbruch?

Leistenbruch – Neue Operations-Methoden – Dr. Franczak bei „bewusst gesund – Das Magazin“ (ORF2, 8. September 2012)

Ein Bauchwandbruch (Hernie) entsteht durch eine Schwachstelle an den Bauchdecken. Durch eine Lücke zwischen den Muskeln und Bindegewebe kommt es zum Hervortreten von Bauchrauminhalt (meistens Darm oder Netz) gedeckt durch Bauchfell und Haut. Wenn der Bauchwandbruch oberhalb des Leistenbandes entsteht wird er Leistenbruch (hernia inguinalis) genannt. Sollte der Bruch unterhalb des Leistenbandes entstehen wird er Schenkelbruch (hernia femoralis) benannt. Sowohl beim Leistenbruch wie auch beim Schenkelbruch handelt sich um angeborene Schwachstellen im Gewebe die mit der Zeit sich allmählich vergrößern bis schließlich ein Loch im Gewebe klafft.

Welche Gefahren sind mit einem Bauchwandbruch verbunden?

Zuerst verursacht ein Bruch meistens örtliche Beschwerden wie: Schmerzen an der Bruchstelle, Druckgefühl und ausstrahlende Schmerzen. Mit der Zeit wird der Bruch immer größer. Das Hauptrisiko einer Hernie ist aber mit der Gefahr einer Brucheinklemmung (Inkarzeration) verbunden. Da der Bruchinhalt meistens aus Darm besteht, ist im Falle einer Einklemmung mit sowohl einem Darmverschluss (Ileus) wie auch Durchblutungsstörungen des Darmes, führend zu einem Darmdurchbruch (Perforation) zu rechnen. In diesen Notfallsituationen ist eine unverzügliche Operation zum Abwenden einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) angezeigt. Eine unbehandelte Bauchfellentzündung führt meistens zum Tode.
Zu beachten ist, dass das Tragen von Stützbinden nicht die Zunahme des Bruches verhindert sondern im Gegenteil, durch Abschwächung der Muskulatur fördert es die Vergrößerung der Bauchwandlücke.

Wie wird ein Leistenbruch und ein Schenkelbruch behandelt?


Eine Operation ist die Therapie der Wahl. Es stehen uns viele Operationsmethoden zur Verfügung. Je nach Patienten, Risikosituation, Voroperationen sowie Lebensplanung wird die passende Methode angeboten. So zum Beispiel ist bei den Kindern meistens ein Bruchpfortenverschluß mit Naht ausreichend. Sollte bei einer Frau die Familienplanung nicht abgeschlossen sein, würde ich ihr zu einer Plastik nach Shouldice ohne Netzverwendung raten. Sollte ein Patient nicht narkosefähig sein, dann wäre eine Plastik nach Rutkov in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) möglich.
Insgesamt in den letzten Jahren haben sich zur Behandlung von Leistenhernien die Operationmethoden mit Verwendung von künstlichem Netz etabliert. Die Netze dienen zur Verstärkung der Bauchwand, ermöglichen einen spannungsfreien Verschluss der Bruchlücke (tension free) und somit tragen zu einem besseren Langzeitergebnis bei. Die Netze sollen leichtgewichtig und grobporös sein um keine nachteilige Reaktion mit dem Eigengewebe auszulösen. Die Netze bestehen entweder aus Polyester oder aus Polypropylen. Bei den offenen Verfahren haben sich die Operationen anch Rutkov und nach Lichtenstein etabliert. Bei den Operationen in der Schlüssellochtechnik (minimal invasiv) besteht das TEP(P) und TAP Verfahren. Der Vorteil der minimal invasiven Techniken liegt in den nur kleinen Wunden, somit wenigen Schmerzen. Die Sportaktivitäten können schon nach 10 Tagen wieder aufgenommen werden, wobei es bei den offenen Verfahren oft mehrere Wochen dauert.

Was ist das TAP Verfahren?

TAP steht für Transabdominelle Plastik. Hierbei wird mit Hilfe von 3 kleinen Öffnungen in den Bauchdecken das Leistenbruch von Innen mit einem Kunststoffnetz verschlossen. Der Vorteil des Verfahrens gegenüber dem TEP Verfahren liegt daran, dass mit der TAP Methode die im Bauch liegende Organe untersucht werden können. Das TAP Verfahren lässt sich auch an zuvor im Unterbauch (zum Beispiel Zustand nach Blinddarmentfernung) operierten Patienten anwenden.

Was ist das TEPP Verfahren?

TEPP auch TEP genannt bedeutet Totale ExtraPeritoneale Plastik. Bei diesem Verfahren erfolgen ebenfalls 3 kleine Eröffnungen in den Bauchdecken, allerdings kommt es dabei nicht zur Verletzung des Bauchfells (Peritoneum). Es wird ein Raum zwischen dem Bauchfell und den Bauchmuskeln gebildet. In diesem engen Raum erfolgt das Vorgehen. Der Bruchsack wird aus den Verklebungen mit z.B. Samenstrang gelöst und zurückgedrängt. Im Falle einer großen Bruchlücke wird diese mit Naht verschlossen. Anschließend wird ein Kunststoff über die Bruchlücke gelegt und somit wird eine Abdeckung und Sicherung erreicht. Der Vorteil gegenüber dem TAP Verfahren liegt in der nicht vorhandenen Notwendigkeit der Eröffnung vom Bauchfell. Somit werden Verletzungen der Bauchorgane oder spätere Verwachsungsbeschwerden minimiert. Ein weiterer Vorteil liegt in der Tatsache, dass beim TEPP das Netz nicht mit Tackern oder Klammern fixiert werden muss, somit wird das Risiko einer Nervenverletzung und nachfolgenden ziehenden Schmerzen (Neuralgien) ebenfalls minimiert. Weil bei der TEP Methode der Haupzugang quer durch die Bauchdecken erfolgt und das hintere Blatt der geraden Bauchmuskulatur nicht verletzt, besteht auch im Gegensatz zur TAP kein Risiko einer zukünftigen Entstehung vom Bauchwandbruch (Trokarhernie). Die Patienten werden in der Regel einen Tag nach der Operation nach Hause entlassen. Nach 3 Tagen sind sie in der Lage sitzend zu arbeiten und 1 Woche nach der Operation Sport zu treiben. Laut Herniamed Studie ergibt die TEPP Methode die geringste Komplikationsrate im Vergleich zu der TAP und Lichtenstein Methoden. Die Europäische Hernien Gesellschaft (EHS) empfiehlt die TEPP bei ausreichender Operateur- Erfahrung als Methode der Wahl.  Diese Methode wird seit 1997 von mir am häufigsten zur Behandlung von Lesitenbrüchen verwendet. Unsere Praxis hat den Qualitätssiegel der Deutschen Hernien Gesellschaft erhalten.

Anatomisches Polyester Netz für das TEPP Verfahren einer Leistenbruchoperation rechts (Mit Genehmigung der Firma Covidien)
Eine Woche nach Leistenbruchoperation mit der TEPP Methode
Im November 2012 wurde uns von der Deutschen Hernien Gesellschaft der Qualitätssiegel verliehen

Presseberichte

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