FACHARZT FÜR CHIRURGIE, GEFÄSSCHIRURGIE UND VISCERALCHIRURGIE
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Sakral Dermoid

Was wird unter Sakral Dermoid verstanden?

Sakral Dermoid, genannt sinus pilonidalis (pilus= Haar, nidus= Nest) oder auch Steißbeinfistel ist eine lang andauernde (chronische) Entzündung der Haut am Steißbein (Sakrum) mit Entwicklung von Fisteln (Gänge), reichend von der Hautoberfläche oft bis zum Knochen. Diese Erkrankung befindet sich typischerweise im oberen Teil der Gesäßspalte (rima ani). In den Fistelgängen entwickelt sich oft Sekret und Eiter welches nach außen abtransportiert wird. Sollte es zu einem Verschluss der Fistel kommen entsteht ein Steißbeinabszess (Sakral Abszess). Ein Pilonidalsinus kann aber auch im Nabelbereich,  hinter den Ohren oder zwischen den Fingern (z.B. bei Friseuren) auftreten. Die Häufigkeit dieser Erkrankung beträgt 260 Fälle pro 1 Million Einwohner. Bei den Männern tritt es 2,2 mal häufiger als bei den Frauen auf.

Wie entsteht ein Pilonidalsinus?

Diese Krankheit kann angeboren sein, jedoch ist die überwiegende Mehrheit der Fälle erworben. Reibebewegungen der behaarten Haut in der Gefäßspalte verursachen das Eindringen der Haare und der Keime in die gegenüber liegende Haut mit nachfolgenden Entzündungsvorgängen und Fistelbildungen. Schweißausscheidung und sitzende Tätigkeit sowie Hautverletzungen begünstigen diese Vorgänge.

Während des 2 Weltkrieges ist oft bei den amerikanischen Soldaten diese Erkrankung vorgefallen, daher wurde sie „jeep’s disease“ genannt.

Wie ist der Verlauf?

Es gibt keine Spontanheilung. Eine Steißbeinfistel kann ohne Beschwerden lebenslang fortbestehen , kann aber auch in eine akute Entzündung mit Eiteransammlung oder in eine chronische Entzündung münden. Der Abszess verursacht meistens starke Schmerzen und Fieber. Gelegentlich entleert sich der Abszess spontan und geht in die chronische Form über. In dieser Form kommt es zum lang andauernden Schmieren aus den Fisteleröffnungen und oft zur erneuten Abszessbildung. Nach längerem Bestehen einer Entzündung wird ein Übergang in eine bösartige Form (Hautkrebs) beschrieben. In 80% der Fälle handelt sich hierbei um ein Plattenepithelkarzinom.

Wie ist die Behandlung?

Eine Behandlung mit Antibiotika, sowohl lokal wie auch systemisch , ist unwirksam. Die Steißbeinfistel ohne Beschwerden bedarf keiner Therapie. Sollte es zu einer Abszessbildung kommen , ist eine vollständige Ausräumung des entzündeten Areals indiziert.

Aufgrund der hohen Wundinfektrate beim Direktverschluss, bevorzuge ich in dieser Situation eine Sekundärheilung. Eine Sekundärheilung alleine beseitigt allerdings das Problem nicht, die Ursache,  ein Gebiet wo die Haut aufeinander reibt ,  bleibt bestehen. Daher sind die Methoden verbunden mit einer Entfernung des betroffenen Areals und direkter Naht selten vom Erfolg gekürt. In dieser Situation habe ich sehr gute Erfahrungen mit der Limberg Plastik. Hierbei wird außer der Entfernung der Fistelgänge, zusätzlich ein kleiner Lappen aus der Haut und Unterhaut seitlich  des entzündeten Areals genommen und über dem entstandenen Defekt geschwenkt. Damit erreichen wir 2 Ziele: zum einen wird somit die sonst lang andauernde Heilung des Wunddefektes beschleunigt, zum zweiten wird dadurch an der betroffenen Stelle die Gefäßspalte ausgeglichen und somit die Ursache (aufeinander reibende Haut) beseitigt.

Autor: Dr. Andreas Franczak

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